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Jeder Verlust ist ein Gewinn

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Möglicherweise haben Sie schon einmal von folgender Übung für angehende Daytrader gelesen oder gehört:

Gehen Sie zur Bank und holen dort 10.000 Euro in kleinen Scheinen ab. Zurück auf der Straße, werfen Sie nun einen Schein nach dem anderen über Ihre Schulter. Schauen Sie nicht zurück! Wenn Sie es schaffen, das komplette Geld wegzuwerfen, ohne dass Sie sich ärgern oder die Aktion bereuen, dann sind Sie fit fürs Trading.

Ich halte diese Methode zwar für sehr unausgefeilt und eher kontraproduktiv, was das fürs Trading zur Verfügung stehende Startkapital angeht – aber dieses wohl nicht ganz ernst gemeinte Daytrader-Training macht einen Kernpunkt besonders deutlich: das Verlieren.

Niemand kommt beim Daytrading um Verluste herum. NIEMAND!!! Bilden Sie sich nicht ein, es könnte bei Ihnen anders sein. Machen Sie sich rechtzeitig mit dem Thema Verlieren vertraut. Nicht weil es so schön ist, sondern weil Sie lernen müssen, mit Verlusten umzugehen.

Was tun kleine Kinder, wenn sie beim Brettspiel verlieren? Diejenigen, die gerade erst beginnen zu spielen, werden vermutlich schmollen oder auch die Püppchen durcheinanderwerfen oder vom Tisch aufstehen und weinend wegrennen. Dieselben Verhaltensweisen können Sie auch bei Tradern beobachten, die nicht mit Verlusten umgehen können: mit dem Ergebnis, dass klitzekleine und  moderate Verluste zu Katastrophen heranwachsen. Konto platt und aus die Maus.

Aber was soll man lernen über das Verlieren? Zum einen, dass es zum Alltag des Trading dazugehört. Wenn Sie am Rouletttisch Ihr Glück wagen, können Sie auch nicht immer lichtig liegen. Zwischen dem Glücksspiel im Casino und der Wette an den Finanzmärkten gibt es allerdings einen ganz entscheidenden Unterschied: Wenn der Einsatz auf dem Spieltisch liegt, dann heißt es Hopp oder Top. Ihr Einsatz beim Daytrading ist jedoch keinesfalls so abhängig vom Schicksal. Sie haben hier selbst die Möglichkeit, das investierte Kapital auch wieder zurückzuziehen. Will heißen: Sie setzen auf Rot, sehen dann, dass Schwarz kommt und ziehen einen Teil ihrer Jetons noch schnell vom Tisch. Versuchen Sie das mal im Casino!

Gut, beim Daytrading haben Sie genau diese Möglichkeit. Aber wann ziehen Sie Ihren Einsatz zurück? Bei einem Verlust von 1 Prozent, bei einem Minus von 10 Prozent oder erst bei einem Drawdown von 50 Prozent?

Beim Aktienhandel erlauben sich konservative Trader meist von einem Verlust von 1 bis 2 Prozent (gerechnet aufs gesamte Tradingkapital). Dann greift der Stop und der Trade ist beendet. Beim Daytrading wird mit größeren Hebeln gearbeitet, und aus diesem Grund sind meiner Meinung nach bis zu 5 Prozent Verlust pro Trade gerechtfertigt. MEHR NICHT!

Warum nicht? Ganz einfach: Je höher der Verlust, desto mehr müssen Sie mit Ihren folgenden Trades wieder verdienen, um dort zu landen, wo Sie vor dem Minustrade waren. Beispiel: Ein Verlust von 50 Prozent erfordert ein Plus von 100 Prozent, um plus minus null zu stehen. Zwei Verlusttrades von 50 Prozent in Folge erfordern ein Plus von 300 Prozent. Noch Fragen?

Das Begrenzen von Verlusten gehört also zu den wichtigsten Herausforderungen eines Traders. Nein. Es ist DIE Herausforderung beim Daytrading. Sobald Sie mit Verlusten klarkommen, haben Sie beste Chancen, profitabel traden zu können.

Zur unumgänglichen Routine muss es deshalb gehören, einen Trade – und sei er nur für die gedachte Dauer von 30 Sekunden angelegt – mit einem Stop zu versehen. Also mit einer Grenze des Verlustes, an welcher die Positition glatt gestellt wird. Ohne wenn und aber. Der Stop im Kopf hilft dabei wenig. Er muss im System sein, beim Broker, bei der Handelsplattform. So lange Sie dies nicht beachten, werden Sie herbe Verluste mit gehebelten Trades einfahren. Bis zur Pleite. Schluss, Punkt, Aus!

Manche Ihrer Trades werden natürlich (theoretisch) wieder ins Plus laufen, wenn der Stop ausgelöst wurde. In Seitwärtsbewegungen ist dies keine Seltenheit. Aber wissen Sie, ob und wie lange sich der Markt in einer Seitwärtsbewegung befindet oder ob nicht gerade ein Trend begonnen/fortgeführt wird? Unterm Strich spielen aber nur die begrenzten Verluste eine Rolle. Sie helfen dabei, weiter traden zu können, weiter Gewinne zu machen. Ein einziger Trade, der ohne Begrenzung ins Minus läuft, wird das Depot ruinieren.

Mit gaaanz viel Abstand betrachtet, ist jeder Verlust ein Gewinn. An Erfahrung, an Selbstvertrauen, an soft und hard Skills des Daytrading. Selbst ein vernichtetes Konto kann sehr hilfreich sein. Es wird Ihnen irgendwann auch passieren. Einigen sogar mehrfach. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass es nicht erst bei einem sehr großen Guthaben geschieht.

Über das sinnvolle Setzen von Stops können Sie bald hier lesen.


Geschrieben von detreda

Februar 10, 2009 um 10:10

Veröffentlicht in Tutorial-Kolumnen

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